Also sprach Zarathustra

1896
Also sprach Zarathustra (Op. 30) ist eine sinfonische Dichtung von Richard Strauss, frei nach Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra.

Sie wurde am 27. November 1896 durch das Frankfurter Städtische Orchester unter Leitung des Komponisten im Rahmen der Museumskonzerte in Frankfurt am Main uraufgeführt.

Am Anfang des ersten Teils steht die „Vorrede“ Zarathustras mit der berühmten Steigerung (Crescendo) ausgehend von dem „Natur“-Motiv (c’-g’-c’’) – wobei das Tongeschlecht zunächst zwischen Dur und Moll changiert. Dieses Motiv durchzieht den ganzen ersten Teil, der, nach lautstarker Wiederkehr ebendieses „Natur“-Motivs im Genesenden in einer Generalpause endet. Die musikalische Struktur kurz vor der Generalpause entspricht dem Zusammenbruch Zarathustras aus Überdruss am Menschen. Die Rekonvaleszenz Zarathustras im zweiten Teil der Komposition ist ganz vom Tanzlied geprägt, das, lange zwischen H-Dur und C-Dur pendelnd, zuletzt in ein verklärtes H-Dur mündet. Doch ganz zum Schluss ertönt in den tiefen Streichern gegen H-Dur in höchster Lage wieder das Naturmotiv C-G-c: die ewige Wiederkehr des Gleichen?

Die Tondichtung beginnt mit der Entscheidung Zarathustras vor dem Sonnenaufgang, zu den Menschen herabzusteigen. Das Tremolo der tiefen Streicher bildet den Hintergrund zum durch das „Natur“-Motiv c’-g’-c’’ dargestellten Sonnenaufgang. Angetrieben von Paukenschlägen wird nach einigen Sforzati und Kadenzen der C-Dur-Höhepunkt erreicht, zu dem Strauss die Orgel, die dem Ganzen einen religiösen Ton beigibt, hinzuzieht.

Das Kontrastprogramm dazu folgt in Von den Hinterweltlern, die an einen unvollkommenen Gott glauben und in ihrer Welt zwischen Gut und Böse gefangen sind. Strauss erzeugt durch ein von vielfach geteilten Streichern „mit Andacht“ vorgetragenes kantables As-Dur-Thema eine religiöse Atmosphäre. „Credo in unum deum“, spielen die Hörner und die Orgel, durchaus mit Ironie. In Von der großen Sehnsucht kämpft das in gebrochenen Dreiklängen aufsteigende Sehnsuchtsmotiv gegen die andächtigen Motive des vorhergehenden Teils. Die Sehnsucht obsiegt und wird nur vom wieder auftretenden „Natur“-Motiv gebändigt. Im Von den Freuden und Leidenschaften, einem großen Thema in c-Moll, wird selbigen Gefühlen freier Lauf gelassen. Das „Freude“-Motiv kann an dem Dezimsprung erkannt werden, dem eine chromatisch fallende Melodie folgt. Gegen Ende kündigen sich allerdings im Ekel-Motiv der Posaunen Zweifel an. Dies leitet über zum Grablied, in dem die Oboe eine klagende Melodie anstimmt. Motive aus den vorhergehenden Teilen klingen an, vor allem in der Solo-Violine, wie in Reminiszenz an eine bessere Zeit. Ein Liegeton leitet über zu Von der Wissenschaft. In diesem Teil nimmt Strauss kleinkarierten Akademismus mit einer trockenen Fuge aufs Korn.

Der Genesende ist das Zentrum des Werks. Im ersten Teil steuert die Musik auf Zarathustras Zusammenbruch zu: Am Ende einer dramatischen Steigerung schmettern die Blechbläser das „Natur“-Motiv über einem in dreifachem Forte gehaltenen C-G-Akkord des ganzen Orchesters. Generalpause. Langsam erhebt sich Zarathustra wieder, der zweite Teil des Werkes beginnt. Im Vergleich zum ersten Teil ist er einheitlicher gestaltet. Zarathustras Genesung nimmt ihren Lauf: Ein schwungvoller Walzer in C-Dur, in dessen dithyrambischen Jubel auch die Themen des 1. Teils hineingezogen werden, mündet in das Tanzlied: Ausgangspunkt für eine längere Durchführung und Reprise. Nach zwei großen Steigerungswellen klingt der Schwung aus im Nachtwandlerlied, das mit dem ersten Glockenschlag von insgesamt zwölf Mitternachtsschlägen beginnt. Die Musik scheint sich in H-Dur, der Tonart der großen Sehnsucht, zu erfüllen. Doch klingt das Werk in einem Zwiespalt zwischen C-Dur und H-Dur aus, zwischen Natur und Geist. Während die Violinen und die hohen Holzbläser mit H-Dur-Akkorden das Werk zu einem friedlichen Schluss zu bringen versuchen, hindert sie daran das „Natur“-Motiv in C-Dur, von Celli und Bässen im Pizzicato gespielt.

Es gibt kein Gut oder Böse mehr. Der Bogen zum Beginn des Stücks ist geschlagen. Verheißt das den nächsten Morgen, die „ewige Wiederkehr des Gleichen?“ In jedem Fall wirkt die formale Geschlossenheit wie ein Narkotikum gegen die Widersprüche der Welt, an denen Nietzsche verzweifelte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Also_sprach_Zarathustra_(Strauss)

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Richard Strauss
1896
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ein deutscher Komponist des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, der vor allem für seine orchestrale Programmmusik (Tondichtungen), sein Liedschaffen und seine Opern bekannt wurde. Strauss war außerdem ein bedeutender Dirigent und Theaterleiter sowie ein Kämpfer für eine Reform des Urheberrechts. Er wird zu den Komponisten der Romantik gerechnet – trotz des zeitlichen Abstandes zu den anderen Künstlern der Epoche. Die Nationalsozialisten nahmen Strauss in die Sonderliste der drei wichtigsten Musiker des Dritten Reiches auf. Wegen seiner Präsidentschaft in der Reichsmusikkammer wurde Strauss nach dem Entnazifizierungsgesetz automatisch als Hauptschuldiger eingestuft, im Jahre 1948 jedoch als „nicht belastet“ freigesprochen.
Richard Strauss
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Andris Poga


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